Absolute Stille und gebannte Aufmerksamkeit herrschte am 28.04. und am 30.04.2026 während des Religionsunterrichts in den Jahrgangsstufen 6 und 7, als Eckart Deitermann vom Aktionskreis Pater Beda für Entwicklungsarbeit e. V. von seinem Besuch beim Kinderhilfsprojekt „Turma do Flau“ in dem Armenviertel Brasília Teimosa in der 1,8-Millionenstadt Recife berichtete. In diesem Projekt arbeitet unter anderem die brasilianische Ordensschwester Aurieta Xenofonte seit über 30 Jahren mit über 300 Kindern und Jugendlichen im Alter von 2 bis 20 Jahren. Das vielseitige Engagement von Schwester Aurieta und ihrem Mitarbeiterteam hat zum Ziel, dass die Kinder nicht auf der Straße der Großstadt Recife landen.

Gefahren lauern für die Kinder in vielen Bereichen. So sind die Drogenabhängigkeit, Jugend- und Bandenkriminalität sowie die Prostitution allgegenwärtig. „Turma do Flau“ kümmert sich besonders um die von der Gesellschaft vergessenen und ausgestoßenen Kinder und Jugendlichen. Das ganze Wirken von Schwester Aurieta und des Hilfsprojekts geschieht aus religiöser Motivation. In gemeinschaftlichen Aktivitäten erfahren sie einen neuen Lebenssinn. Das ist notwendig, weil sie im brasilianischen Alltag nicht als Menschen zählen und wahrgenommen werden.

Ziel der Arbeit ist es, dass die Kinder ihre eigene Würde erfahren, Gemeinschaft kennenlernen und so ihr Leben selbst in die Hand nehmen. Besonders bewegt waren unsere Schüler, als an einer Wand Fotos von Kindern und Jugendlichen zu sehen waren, die früher einmal Teilnehmer des Projektes waren und durch Waffengewalt getötet wurden. Ein weiteres wichtiges Anliegen des Hilfsprojekts ist die schulische Begleitung der Kinder und Jugendlichen. Nur durch die intensive Förderung der Bildungs- und Bewusstseinsarbeit im Projekt haben die Kinder eine Chance für die Zukunft. Neben dem Besuch der öffentlichen Schulen erhalten die Kinder einen weiteren Förderunterricht, angepasst an ihre Lebensrealität, mit einer Pädagogik, die speziell für sie entwickelt wurde.

Außerdem gibt es im Projekt verschiedene Angebote, an denen die Kinder mit Begeisterung teilnehmen: Capoeira, Tanzunterricht, Musikunterricht, Kunstunterricht, Theaterunterricht und vieles mehr. Dadurch erfahren die Kinder und Jugendlichen zum einen ihre Fähigkeiten und Talente und stärken zum anderen ihr Selbstwertgefühl. Bei großen Festen in der Stadt werden häufig die Musik- und Theatergruppen eingeladen, um auf den großen Bühnen regionale Tänze aufzuführen.

Für die Kleinkinder steht im Projekt eine Kinderkrippe zur Verfügung, die von zwei Pädagoginnen geführt wird. Damit sind die meist alleinstehenden Mütter in der Lage, einer regelmäßigen Arbeit nachzugehen. Den heranwachsenden Jugendlichen werden verschiedene Fertigkeiten vermittelt. Innerhalb der Projektaktivitäten werden einzelne Berufsrichtungen, z. B. Autolackierung, Textilmalerei und Informatik, geschult.

Die Jugendlichen erhalten nach dem berufsfördernden Kurs ein Zertifikat. Die meisten von ihnen können nach Abschluss des Kurses in der Stadt eine Arbeit anfangen.

Zwei weitere Bilder bewegten unsere Schülerinnen und Schüler sehr: Zum einen wurde mitten auf einer Mülldeponie Gottesdienst gefeiert und den dortigen Menschen an Ostern Geschenke gemacht, zum anderen war auch das Engagement von Schwester Aurieta in der Gefängnisseelsorge zu sehen, bei der das ganze Elend in brasilianischen Gefängnissen deutlich wurde.

Im Wirken von Schwester Aurieta und dem Projekt von „Turma do Flau“ wird das Motto der Mission von Pater Beda, der im Jahr 2015 verstarb, deutlich: „Gemeinsam mit den Menschen vor Ort schnell und unkompliziert helfen!“ Der Aktionskreis Pater Beda unterstützt dieses Anliegen und das Projekt finanziell und möchte auch Schulen anregen, eine „Brücke zwischen Brasilien und Deutschland“ zu bauen, zum Beispiel durch Sponsorenläufe, Eine-Welt-Aktionen oder andere Aktivitäten.

Thomas Krallmann