Latein zum Anfassen – die 6. Klassen unterwegs im Römermuseum Haltern
Am 25. Juni 2026 tauschten die Lateinschüler der Jahrgangsstufe 6 das Klassenzimmer gegen einen historischen Lernort. Gemeinsam machten sich 57 Schülerinnen und Schüler zusammen mit ihren Lehrern auf den Weg zum LWL-Römermuseum in Haltern am See. Dort erwartete sie kein gewöhnliches Museum, sondern der Standort eines bedeutenden römischen Militärlagers in Germanien.
Nach der Ankunft führte der erste Weg zur Römerbaustelle Aliso. Hinter dem Museum wurden Teile des ehemaligen Römerlagers nach archäologischen Erkenntnissen rekonstruiert. Die imposante Holz-Erde-Mauer, das Westtor und die Wachtürme vermittelten einen anschaulichen Eindruck davon, wie gewaltig das Lager vor rund 2.000 Jahren ausgesehen haben muss. Von hier aus planten die Römer einst ihre Feldzüge im rechtsrheinischen Germanien; zeitweise waren in Aliso bis zu 5.000 Legionäre stationiert.
Anschließend begann das museumspädagogische Programm. In kleinen Gruppen erkundeten die Schüler die römische Welt nicht nur durch Zuschauen, sondern vor allem durch eigenes Ausprobieren.
Im Workshop „Alltagsleben römischer Legionäre“ erfuhren sie, wie Soldaten lebten, arbeiteten und versorgt wurden. Besonders beeindruckend war das Mahlen von Getreide mit einer römischen Handmühle. Schnell wurde klar, wie viel Muskelkraft und Zeit damals nötig waren, um Brot herzustellen. Daneben lernten die Schüler, welche Ausrüstung ein Legionär besaß und wie gut organisiert das Leben im römischen Heer war.
Im Workshop „Deine Schrift – lateinisch“ drehte sich alles um die Schrift der Römer. Die Schüler beschäftigten sich mit römischen Inschriften und entdeckten, dass uns das Lateinische bis heute im Alltag begegnet – etwa in Fremdwörtern, wissenschaftlichen Begriffen oder auf Bauwerken. Zum Abschluss gestaltete jede und jeder ein eigenes Lesezeichen als Erinnerung an den Tag.
Auch der Workshop „Vor Ort in Aliso“ stand auf dem Programm. Hier konnten verschiedene römische Handwerkstechniken selbst ausprobiert werden. Dabei zeigte sich, mit welchem handwerklichen Geschick und welcher Präzision die Römer ihre Bauwerke, Werkzeuge und Alltagsgegenstände herstellten.
Eigentlich sollte auch der Workshop „Auf die Grabung, fertig, los!“ stattfinden, bei dem die Schüler selbst in die Rolle von Archäologen schlüpfen und auf einer nachgestellten Ausgrabung nach römischen Funden suchen konnten. Aufgrund der hochsommerlichen Temperaturen musste dieser Programmpunkt jedoch leider entfallen.
Der Ausflug machte deutlich, dass Latein weit mehr ist als das Übersetzen antiker Texte. Geschichte wurde an diesem Tag greifbar: Die Schüler konnten erleben, wie Legionäre lebten, arbeiteten und ein Militärlager funktionierte.
Mit diesen neuen Eindrücken und selbstgestalteten Erinnerungsstücken im Gepäck trat die Gruppe am Nachmittag die Rückfahrt nach Nordhorn an. Für viele war der Ausflug ein Beweis dafür, dass Latein Geschichte lebendig werden lässt.
Kerstin Wörsdörfer