Bericht von Luga Kupsch (Jahrgangsstufe10)

Ich nahm von Mitte Oktober bis Mitte Dezember 2025 an einem Frankreichaustausch in der Normandie teil. Da ich bei der Familie meines Austauschpartners Jule-Mile untergebracht war, erlebte ich den Alltag besonders intensiv. Während der Zeit des Austausches fielen mir viele Unterschiede zwischen dem Leben in Frankreich und in Deutschland auf – vor allem in der Schule, im Familienleben und in der Freizeit.

Schule und Unterricht

Der Schulalltag in Frankreich unterscheidet sich stark von dem, was ich aus Deutschland kenne. Eine Unterrichtsstunde dauert 55 Minuten – also deutlich länger als bei uns – und der Unterricht beginnt erst um 8.30 Uhr. Dadurch wird der gesamte Schultag nach hinten verschoben. Man ist länger in der Schule und der Schultag endet deutlich später (16.00/17.00 Uhr). Das habe ich als nicht so angenehm empfunden.

Im Unterricht reden die Lehrer wesentlich mehr als bei uns, während die Schüler hauptsächlich mitschreiben. Gruppenarbeit fand kaum statt. Im Allgemeinen war das Verhältnis zu den Lehrern formeller. In Frankreich werden in der Schule deutlich mehr Tests geschrieben. Insbesondere staunte ich über eine große, vierstündige Arbeit zur Vorbereitung auf das Baccalauréat, das ist der französische Schulabschluss der Sekundarstufe II und entspricht dem deutschen Abitur, die für viele Schüler sehr wichtig war.

Hinzu kamen strenge Regeln: Das Handyverbot wurde sehr konsequent durchgesetzt. Niemand durfte während der Unterrichtszeit das Schulgelände verlassen oder wieder betreten. Beim Betreten der Schule wurden regelmäßig die Rucksäcke kontrolliert.

Viele französische Schulen haben außerdem ein Internat, welches unter der Woche von vielen Schülerinnen und Schülern genutzt wird.

Sprache und Kommunikation

Die Kommunikation stellte eine besondere Herausforderung dar. Die Lehrer und viele Schüler sprachen sehr schnell, so dass es für mich oft schwer war zu erkennen, wo Wörter anfingen oder endeten. Gleichzeitig nutzten die Franzosen viel Gestik und Mimik, was zwar ungewohnt, aber hilfreich war.

Wenn mein Gegenüber merkte, dass ich nicht perfekt Französisch sprach, wechselte er manchmal direkt ins Englische. Was nett gemeint war, aber mir nicht immer half, da das Englischniveau in Frankreich nicht so hoch ist. Die meisten freuten sich, wenn ich weiterhin Französisch sprach.

Essen und Wohnen

Viele Schülerinnen und Schüler aßen mittags in der Kantine, wo warme Gerichte ausgegeben wurden. Ich selbst aß allerdings nicht dort (weil ich nur fünf Minuten entfernt wohnte), konnte aber beobachten, dass die Kantine für viele ein fester Bestandteil des Schulalltags ist.

In meiner Gastfamilie hatten die Mahlzeiten einen hohen Stellenwert: Wir aßen meist gemeinsam leckere Mahlzeiten. Zu fast jedem Essen gehörte frisches Brot, das täglich in einer der vielen Bäckereien gekauft wurde. Bei jeder Mahlzeit gab es anderes Fleisch. Diese Vielfalt war ich bisher nicht gewohnt und ich freute mich über so viel Fleisch als Proteinquelle. Die Froschschenkel haben mich jedoch eher abgeschreckt.

Ach übrigens: Das Leitungswasser in Frankreich schmeckt nach Chlor. Das ist schon sehr gewöhnungsbedürftig.

Auch die Wohnsituation war anders: Das Badezimmer war direkt im Schlafzimmer, während die Toilette getrennt davon lag.

Familienleben und Freizeit

In der Freizeit merkte ich schnell, dass spontane Treffen mit Freunden viel seltener sind als in Deutschland. Stattdessen verbringt man mehr Zeit mit der Familie. Abends sah ich manchmal gemeinsam mit der Gastfamilie Filme oder Serien im Fernsehen.

Da die Schule später begann und die Abendessen länger dauerten, ging ich viel später schlafen als in Deutschland. Außerdem fahren deutlich weniger Jugendliche Fahrrad. In der Stadt geht man zu Fuß und für längere Strecken nimmt man meistens das Auto.

Auffällig war zudem, wie viele Jugendliche in Frankreich rauchen – deutlich mehr, als ich es aus Deutschland kenne.

Umgebung und Alltag

Die Umgebung in der Normandie wirkt oft sehr traditionell. Viele Häuser sind im Fachwerkstil gebaut und sehen sehr charmant aus. Am Wochenende gibt es fast überall Märkte und kleine private Läden sind verbreiteter als große Supermärkte.

Was mir sofort auffiel, war die Offenheit vieler Menschen. Besonders neue Personen wurden freundlich begrüßt und ich fühlte mich schnell willkommen. Nur der Humor war für mich manchmal schwierig. Er unterscheidet sich doch deutlich von deutschem Humor.

Fazit

Der Austausch war für mich eine sehr wertvolle Erfahrung. Ich lernte den französischen Alltag intensiv kennen und bemerkte viele kulturelle und schulische Unterschiede. Auch wenn manche Dinge ungewohnt oder schwierig waren, konnte ich viel lernen und meine Sprachkenntnisse verbessern. Vor allem die Offenheit der Menschen und die neuen Eindrücke aus Schule und Familienleben machten meinen Aufenthalt in der Normandie zu einer besonderen Zeit.