Theater-AG des Gymnasiums Nordhorn verzaubert mit venezianischer Komödie
Mit großer Spielfreude, Witz und beeindruckendem Engagement brachte die Theater-AG des Gymnasiums Nordhorn Carlo Goldonis Komödie „Das Kaffeehaus“ mit seinen scharf gezeichneten Charakteren, pointierten Dialogen und zahlreichen Verwicklungen auf die Bühne. Diese Mischung aus Humor, Tempo und zwischenmenschlichen Konflikten setzte das Ensemble unter der Leitung der Lehrkräfte Inga Brookmann und Jörg Fröhlich nach nur vier Monaten Probenzeit eindrucksvoll um. Den Darstellerinnen und Darstellern gelang es, die unterschiedlichen Figuren lebendig werden zu lassen und das Publikum immer wieder in das turbulente Geschehen auf der venezianischen Piazza hineinzuziehen.
Die Handlung führt die Zuschauer auf einen belebten Platz mitten in Venedig. Dort treffen Kaufleute, Glücksspieler, Tänzerinnen, Touristen, Straßenhändler und neugierige Nachbarn aufeinander. Im Mittelpunkt steht die gutherzige Kaffeehausbesitzerin Ridolfa (Merrit Pasternak), die versucht, Ordnung in das turbulente Geschehen rund um ihr Café zu bringen. Doch auf dem Platz prallen Liebe, Eifersucht, Betrug, Geschäftssinn und menschliche Schwächen aufeinander. Besonders die geschwätzige Donna Marzia (Finja Janke) sorgt mit ihren Gerüchten und ihrem unermüdlichen Klatsch für Missverständnisse und neue Verwicklungen.
Zwischen all den kleinen und großen Turbulenzen rückt zunehmend das Schicksal des Kaufmanns Eugenio (Emil Walter) in den Mittelpunkt. Seine Spielsucht bringt ihn in finanzielle Schwierigkeiten und belastet zugleich die Beziehung zu seiner treuen Ehefrau Vittoria (Marie Simons). Während sie um ihre gemeinsame Zukunft kämpft, verfolgt der charmante Hochstapler Leandro (Veronica Pankratova) seine eigenen Interessen. Weitere wichtige Figuren sind die Spielhallenbesitzerin Pandolfa (Sarah Elisabeth Wagner-Pikkemaat), die Tänzerin Lisaura (Helen Märlender), die Kellnerin Trappola (Hanna Brinkhaus), die Rausschmeißerin Gonza (Annika Flemm) sowie Placida (Ilayda Balkaya). Immer neue Begegnungen, Missverständnisse und überraschende Wendungen treiben die Handlung mit hohem Tempo voran und sorgen für zahlreiche komische Situationen.
Obwohl Goldoni das Stück bereits im 18. Jahrhundert schrieb, wirken viele Themen erstaunlich modern. Gerüchte verbreiten sich rasend schnell, Menschen lassen sich von Äußerlichkeiten täuschen und persönliche Interessen stehen nicht selten über Ehrlichkeit und Verantwortung. Gerade diese zeitlose Aktualität machte die Komödie auch für das heutige Publikum sehr unterhaltsam.
Besonders prägend für den Abend waren die Leistungen von Merrit Pasternak als Ridolfa, Finja Janke als Donna Marzia und Emil Walter als Eugenio. Merrit Pasternak verlieh der Kaffeehausbesitzerin mit ihrer Ausstrahlung und souveräner Bühnenpräsenz eine beeindruckende Authentizität. Finja Janke begeisterte als klatschfreudige Donna Marzia mit ausgeprägtem komödiantischem Talent, perfektem Timing und sichtbarer Freude am Spiel. Emil Walter gelang es, die innere Zerrissenheit des spielsüchtigen Eugenio zwischen Leichtsinn, Verzweiflung und Reue facettenreich und glaubwürdig darzustellen. Aber auch die übrigen Ensemblemitglieder überzeugten durch ihr harmonisches Zusammenspiel und ihre große Bühnenpräsenz.
Zum Gelingen der Aufführung trug auch die Vielfalt der Rollen bei. Zahlreiche Figuren bevölkerten die Piazza und machten sie zu einem lebendigen Spiegel menschlicher Begegnungen. Touristen, Straßenhändler und viele weitere Charaktere sorgten für zusätzliche Dynamik und zahlreiche humorvolle Momente. Besonders bemerkenswert war dabei, dass einzelne Schüler mehrere Rollen übernahmen und so eindrucksvoll ihre Vielseitigkeit unter Beweis stellten.
Der Abend machte zudem deutlich, welche Entwicklung die Schüler genommen haben, die bereits seit mehreren Jahren in der Theater-AG aktiv sind. Über die Zeit haben sie nicht nur ihre schauspielerischen Fähigkeiten stetig ausgebaut, sondern auch sichtbar an Selbstvertrauen, Bühnenpräsenz und Ausdrucksstärke gewonnen.
Für einen besonders bewegenden Moment sorgte die Verabschiedung von Finja Jahnke und Merrit Pasternak, die mit dem Abitur ihre Zeit in der Theater-AG beenden. Beide haben die Gruppe über viele Jahre hinweg mit großem Engagement, Kreativität und Leidenschaft geprägt. Sichtlich gerührt verabschiedete sich Inga Brookmann auf der Bühne von den beiden Abiturientinnen und blickte in persönlichen und emotionalen Worten auf die gemeinsame Zeit zurück.
Der langanhaltende Applaus und die Standing Ovation am Ende der Aufführung zeigten eindrucksvoll, wie sehr das Publikum die Leistung der Theater-AG zu schätzen wusste. Dass eine derart anspruchsvolle Produktion in nur vier Monaten auf die Bühne gebracht wurde, macht den Erfolg des Abends umso bemerkenswerter.
Kerstin Wörsdörfer