Zwischen alten Büchern und großen Fragen – Philosophiekurse forschen in Wolfenbüttel
Wie findet man Antworten auf philosophische Fragen? Welche Rolle spielen Bücher bei gesellschaftlichen Debatten? Und wie arbeitet man eigentlich wissenschaftlich? Diesen Fragen gingen die Philosophie-Kurse der Jahrgangsstufen 11 und 12 bei einem dreitägigen Schülerseminar an der Herzog-August-Bibliothek (HAB) in Wolfenbüttel nach.
Am Montagmorgen machte sich die Gruppe mit dem Zug auf den Weg nach Wolfenbüttel. Im historischen Zeughaus der Herzog-August-Bibliothek wurden die Schülerinnen und Schüler von Frau Lorentzen begrüßt, die zunächst die Arbeitsweise einer der bedeutendsten Forschungsbibliotheken Deutschlands vorstellte und einen Ausblick auf die kommenden Tage gab. „Hier werdet ihr nicht nur Informationen suchen, sondern selbst zu Forschenden werden“, machte sie gleich zu Beginn deutlich.
Im Mittelpunkt des Seminars stand das eigenständige wissenschaftliche Arbeiten. Ausgehend von einem speziell zusammengestellten Handapparat entwickelten die Schüler eigene philosophische Fragestellungen und recherchierten selbstständig in Büchern sowie digitalen Bibliothekskatalogen. Dabei lernten sie Methoden kennen, die auch an Universitäten zum wissenschaftlichen Arbeiten gehören.
Der Dienstag stand ganz im Zeichen der Vertiefung der Forschungsprojekte. In Kleingruppen wurde gelesen, diskutiert, recherchiert und an den Präsentationen gearbeitet. Dabei zeigte sich die große Bandbreite der gewählten Themen und Fragestellungen.
Ein besonderer Höhepunkt war die Führung durch die historischen Bestände der Herzog-August-Bibliothek. Da Führungen durch die wertvollen Sammlungen inzwischen nur noch selten möglich sind, bot sich den Schülern eine außergewöhnliche Gelegenheit. Mit großem Interesse verfolgten sie die Erläuterungen von Prof. Dr. Peter Burschel, dem Direktor der Bibliothek, und nutzten die Möglichkeit, zahlreiche Fragen zu stellen. „Es ist etwas ganz anderes, solche Bücher nicht nur auf Bildern zu sehen, sondern sie direkt vor sich zu haben“, fasste ein Schüler seine Eindrücke zusammen.
Am Mittwochvormittag präsentierten einige Gruppen die Ergebnisse ihrer Forschungen; die übrigen Präsentationen werden zu Beginn des neuen Schuljahres stattfinden. Die Vorträge zeigten eindrucksvoll, dass die Schüler ihre Ergebnisse verständlich und überzeugend präsentieren konnten.
Den Abschluss der Exkursion bildete ein Besuch im Schlossmuseum Wolfenbüttel. Bei einer amüsanten Erlebnisführung mit dem herzoglichen Tanzmeister Monsieur de la Marche tauchte die Gruppe in die Welt des Barock ein. Mit viel Humor und anschaulichen Geschichten vermittelte der historische Begleiter Eindrücke vom höfischen Leben vergangener Jahrhunderte und sorgte immer wieder für schmunzelnde Gesichter. „Nach zwei Tagen intensiver Forschungsarbeit war das ein gelungener Abschluss unserer Exkursion“, resümierte eine Schülerin.
Am Mittag trat die Gruppe schließlich die Heimreise nach Nordhorn an. Im Gepäck hatten die Schüler nicht nur zahlreiche neue Eindrücke, sondern auch die Erfahrung, wissenschaftliches Arbeiten selbst erlebt und ausprobiert zu haben.
Kerstin Wörsdörfer